Barrierefreiheit/Begriffsklärung

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Text-Info

Lesedauer
10min
Schwierigkeitsgrad
leicht
Vorausgesetztes Wissen
keine


Unter Barrierefreiheit im Webdesign versteht man, dass Webseiten allen zugänglich sind und diese ohne Einschränkungen benutzt werden können.

Dabei muss zuerst geklärt werden, welche Arten der Behinderung, oder besser: Einschränkung es denn überhaupt gibt.

Begriffsklärung[Bearbeiten]

Barrierefrei durch eine Rampe aus Legosteinen
Barrierefrei durch eine Rampe aus Legosteinen - bei einem Altbau gut gelöst - einen Neubau hätte man gleich ohne Stufe realisiert

Ursprünglich war im Deutschen der Begriff „behindertengerecht“ verbreitet, ehe er von barrierefrei ersetzt wurde. So wurden neben Treppen rollstuhlgerechte Rampen für Rollstuhlfahrer angelegt. Allerdings sind solche Rampen oft zu steil, sodass man teilweise auch von „barrierearm“ spricht.

Da solche Rampen (oder der konsequente Verzicht auf Stufen und Barrieren) aber nicht nur von Rollstuhlfahrern, sondern auch für Eltern mit Kinderwägen, Touristen mit Rollkoffern und anderen benutzt werden, ist Barrierefreiheit für alle nützlich. So erweitert dieses Verständnis der Barrierefreiheit den Begriff daher zum „Design für Alle“ oder zum Inclusive Design.[1]

Barrierefreies Webdesign sind dementsprechend Web-Angebote, die von allen Nutzern unabhängig von ihren Einschränkungen oder technischen Möglichkeiten uneingeschränkt (barrierefrei) genutzt werden können.[2] In der Zeit der Browserkriege wurde parallel der Begriff Webstandards eingeführt, um Webseiten durch alle der damals konkurrierenden Browser darstellen zu können.

Ein Webserver kann nicht wissen, an wen oder für welches Ausgabegerät er Daten liefert. Nutzer unserer Webseiten verwenden nicht nur Desktop-PCs mit „normalen“ Monitoren, sondern mit einer Vielzahl möglicher Ausgabegeräte mit unterschiedlich großen Bildschirmen vom Handy bis zum wandfüllenden Großbildschirm. Blinde, aber auch Sehende wie Autofahrer oder gerade beim Kochen Beschäftigte lassen sich Webseiten vorlesen.

Dauerhafte, vorübergehende und situationsbedingte Behinderungen[Bearbeiten]

Barrierefreiheit betrifft nicht nur dauerhafte Behinderungen.

Fühlen / Berühren

  • Eine Person mit einem Arm hat eine dauerhafte Behinderung
  • Eine Person mit einem gebrochenen Arm hat eine vorübergehende Behinderung
  • Ein frischgebackenes Elternteil, das sein Baby auf einem Arm hält, hat eine situationsbedingte Behinderung

Sehen

  • Eine blinde Person hat eine dauerhafte Behinderung
  • Ein Grauer Star kann vorübergehend sein
  • Ein abgelenkter Fahrer hat eine situative Behinderung

Hören

  • Eine taube Person hat eine dauerhafte Behinderung
  • Eine Ohrenentzündung ist vorübergehend
  • Ein Barkeeper hat eine situationsbedingte Behinderung

Sprechen

  • Eine nonverbale Person hat eine dauerhafte Behinderung
  • Eine Person mit Laryngitis hat eine vorübergehende Behinderung
  • Eine Person mit einem starken Akzent hat eine situative Behinderung
Beachten Sie: Denken Sie immer daran, dass Sie nicht der Benutzer sind. Als Designer und Entwickler denken wir oft, dass das, was für uns brauchbar, zugänglich und verständlich ist, auch für andere gut genug ist.

Fazit[Bearbeiten]

Barrierefreiheit ist nicht einfach eine alternative Ausgabe auf Screenreadern für Nichtsehende. Fast jeder Teilnehmer am Web ist in irgendeiner Weise benachteiligt So verschlechtern sich die Augen im Alter, dass kleinere Schrift und schlechte Kontraste nicht mehr lesbar wird. Auch die Farbwahrnehmung unterscheidet sich. Schätzungen besagen, dass bei 8 bis 10% der Männer eine Rot-Grün-Schwäche bis hin zur Rot-Grün-Blindheit vorliegt.

Andere Menschen wiederum können mit der Maus nicht gut umgehen und bevorzugen die Tastatur oder verwenden sprachgesteuerte Hilfsmittel. Nicht jeder Datenempfänger ist zudem ein Mensch. Index-Robots zum Beispiel haben ihre eigenen Beschränkungen.

Die Fähigkeiten eines Datenempfängers sind für einen Webautor schwer vorhersehbar. Möchte er seine Inhalte einem möglichst breiten Publikum verfügbar halten, sollte er deshalb bestimmte Richtlinien einhalten und Erfahrungen im Umgang mit dieser Problematik umsetzen.

Zugänglichkeit bedeutet, dass die Bedienung einer Webseite nicht an besondere technische Voraussetzungen oder menschliche Fähigkeiten gekoppelt ist. Ein behinderter Mensch sollte die Inhalte vollständig wahrnehmen und alle Bedienelemente betätigen können. Auch hierzu gibt es Maßnahmen und Regeln (z. B. WCAG und BITV).

  • Werden Informationen über grafische Inhalte vermittelt, dann benötigen diese ein Textäquivalent in Form eines alt-Attributs oder einer Bildunterschrift. Komplexe Grafiken sind in einem erläuternden Text zu erklären. Dies gilt nicht nur für Bilder, sondern auch für Videoclips und Filme.
  • Information soll nicht durch ein einziges Merkmal (z. B. Farbe oder Warnton) ausgedrückt werden.
  • Ausreichende Kontrastverhältnisse der verwendeten Farben gewährleisten die Leserlichkeit von Texten.
  • Eine Website muss auch mit Tastatur vollständig bedient werden können.
  • Die Interpretation einer Seite muss auch ohne CSS möglich sein.
  • Vermeiden Sie horizontale Scrollbars, denn einige Geräte (Mobiles) können nicht horizontal scrollen

Viele Anwender verwenden assistive Technologien, wie zum Beispiel Braille-Zeilen, die Bildschirmlupe oder Screenreader. Solche Hilfsmittel stehen in der Regel außerhalb der technischen Erfahrung eines Webautors. Es ist jedoch schon viel gewonnen, wenn ein Autor einige allgemeinen Regeln befolgt und zum Beispiel die semantischen Regeln von HTML umsetzt und den Code validiert, sodass diese Hilfsmittel eine Chance haben, den Code geeignet zu interpretieren.

Eine weitere Methode ist, sich in Menschen mit bestimmten Behinderungen hineinzudenken. Der Inhalt eines Audiodokumentes kann ohne Transkription von Hörgeschädigten nicht wahrgenommen werden – aber auch nicht von Menschen in lauten Werkhallen oder einem Ausgabegerät ohne Lautsprecher.

Menschen sind also nicht zwingend ständig in ihren Fähigkeiten eingeschränkt. Auch wechselnde Lichtverhältnisse in einem Bus, der an einem sonnigen Tag durch eine Allee fährt, machen es schwer auf dem wackelnden Smartphone winzige und blasse Texte zu lesen. Insbesondere wenn im Bus noch geredet wird und man aufpassen muss, seine Haltestelle nicht zu verpassen.

Hier spricht man von sogenannten situativen Einschränkungen. Weitere Beispiele dafür sind Fausthandschuhe, Ohrstöpsel, eine verlegte Brille, ein Gipsverband oder starke Übermüdung. All das behindert uns in unserer Wahrnehmung, unserem Bewegungsvermögen oder unserer geistigen Leistungsfähigkeit.

Entsprechend lassen sich Behinderungen in sensorische, motorische und kognitive Einschränkungen untergliedern. Zu den sensorischen Einschränkungen gehören Schwerhörigkeit und Taubheit, Fehlsichtigkeit und Blindheit, aber auch eine Einschränkung des Tastsinns, ohne den z. B. ein Force-Feedback durch den Vibrationsalarm des Smartphones oder Spielecontrollers nicht wahrnehmbar ist.

An diesen wenigen Beispielen wird deutlich, dass jeder Mensch von zugänglichen Webseiten profitiert.


Quellen[Bearbeiten]

  1. Wikipedia.de: Barrierefreiheit
  2. Wikipedia.de: Barrierefreies Internet